Sonnenanbeterin Sarah
Der Tod



Der Tod ist überall.
Jede Sekunde kann mich seine schwarze Gestalt erreichen.
Überall kann mir sein bleiches Grinsen begegnen.
Schon jetzt kann seine blanke Sichel zum Schwung ausholen, um mich zu treffen.
Mein Leben bewegt sich fortwährend auf ihn zu. Jeder Augenblick bringt mich ihm näher.
Der Tod wartet auf mich, ich kann ihm nicht entkommen.

Der Mensch fürchtet den Tod, weil er mächtiger ist als er. In seiner Angst und Ohnmacht gibt er dem Tod eine schreckliche Gestalt: Als Gerippe, eingehüllt in einen schwarzen Mantel, ist er der grausame Vollender, der das Leben jeden Augenblick vernichten kann.
Der Tod verunsichert den Menschen aufs tiefste. Nichts ist vor ihm sicher. Er nimmt die Geliebte und holt das Kind. Er vernichtet grundlos in endlosen Kriegen und er tötet mitten im herrlichsten Frieden. Der Tod ist unberechenbar, niemand weiß seine Stunde.
In seiner Angst vergisst der Mensch, dass das Leben ständig begleitet wird vom Tod, dass sich Leben nur erfüllt, wenn Sterben geschieht.
Das Blatt am Baum tanzt im Herbst in den Tod. Und doch wächst im Frühling neues Leben, als gäbe es keine Vergänglichkeit. Alles Lebendige ist im ständigen Wandel und jede Verwandlung bedeutet den Tod in einer alten Gestalt. Das Neue ist nur möglich, wenn das Alte vergeht.
Wer den Tod fürchtet oder verdrängt, wacht ängstlich über sein Leben. Aus Angst vor dem Tod gibt er seinem Leben die Ruhe eines Friedhofes und sucht sicht mit tausend Sicherheiten zu schützen. Aber der Tod gibt dem Leben erst den Schwung. Er ist es, der es erst lebendig macht. In manchen Kulturen wird der Tod eines Menschen ekstatisch gefeiert. Voll Freude zelebriert man die große Veränderung, die dem Verstorbenen geschehen ist.
Im Lichte der Karte des Todes wird der Mensch daran erinnert, dass nichts und niemand von Dauer ist, dass alles nur einen Herzschlag lang besteht. Er erfährt, dass der Tod der ewige Begleiter des Lebens ist und erkennt, dass seine Einstellung zum Leben nur ein Spiegelbild seiner Einstellung zum Tod ist.

Aussage

Der Tod, das Absolute und Unabänderliche
Verlust und Hoffnungslosigkeit
Auflösung und Verwandlung
Der Tod als Begleiter des Lebens
So leben, als wäre es der letzte Augenblick

»Ich sterbe, also lebe ich«
17.8.06 06:47
 
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