Sonnenanbeterin Sarah
Hallo Pline,

danke für deinen Gästebuch-Eintrag.

Ich weiß, dass ich etwas schreiben muss.. Aber wo soll ich anfangen? Mein Kopf ist voll mit Gedanken und gleichzeitig ganz leer.

Ich weiß nicht, wo ich hinsoll. Hierhin? Oder Dorthin? Und da ich das nicht weiß, bleibe ich einfach stehen. Oder renne einfach los.

Ich mache momentan viel Sport. Laufe jeden Tag 5 Kilometer.. Gestern bin ich fast 40 km Fahrrad gefahren und Sonntag bin ich viel geschwommen. Aber wieso mache ich das eigentlich?

Klar. Körperliche Fitness und so. Das tut auch wirklich ganz gut, aber der wahre Grund ist doch ganz einfach: Ich will einfach nur Verdrängen. Ich will nicht über die ganze Scheiße in meinem Leben nachdenken. Ich will nicht über meine Zukunft nachdenken. Und erst Recht nicht über meine Gegenwart.

Manchmal habe ich bestimmte Hoffnungen. Und manchmal habe ich das Gefühl, das Leben ist einfach nur noch sinnlos.

Ich hatte solche Schwankungen schon einmal.. 2002.. Das macht mir große Angst. Sehr große sogar. Aber ich bin stark, das weiß ich auch.

Heute hatte ich eine Phase, da wusste ich nicht, ob ich einen Lach- oder einen Heulkrampf kriegen soll. Ich bin so zerrissen, ich weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Ich ertrinke in meinen Sorgen und bald bekomme ich keine Luft mehr. Dann kommen alle Leute mit ihren kleinen Sorgen und ich will eigentlich gar nix davon wissen, das ist alles so lächerlich. Es sind nicht einmal wirklich Sorgen. Klar sieht das jeder anders und jeder sieht seine eigene Situation als die schlimmste an. Aber ich weiß nicht mehr, wie es überhaupt weitergehen soll.

Es gibt einen Weg raus, ich habe auch schon einen Wegweiser.. Aber an diesem Wegweiser, an diesem Haus.. Sind so viele Klingeln und ich weiß nicht, wo ich zuerst klingeln soll. Ich bin einfach mit allem überfordert. Ich weiß gar nicht, wofür ich überhaupt noch alles tue. Ich bin einfach ein Nichts im Nirgendwo.

Ich bin kurz davor, mich abgrundtief zu hassen und soweit wollte ich niemals kommen. Ich wehre mich noch dagegen, aber ich weiß nicht, wie lange ich das halten kann. Vorhin habe ich in den Spiegel geschaut und einfach meine Sommersprossen angeschaut. Ich liebe meine Sommersprossen. Ich bin froh, dass sie da sind. Ich hätte gerne viel mehr davon, am ganzen Körper.. An den Armen gerne. Aber sie bleiben auf dem Gesicht und ein wenig auf den Schultern. Sie sind aber wunderschön.

Leider helfen sie mir auch nicht weiter.

Gestern war ich bei meiner Oma und sie hat mir Geschichten von meiner Mama erzählt, wie sie noch ein Baby war. Dabei hat meine Oma immer nur auf das Foto meiner Mutter geschaut, das immer neben ihr steht. So als wenn sie es meiner Mutter erzählt und nicht mir. Es war so unglaublich traurig. Und ich habe weinen müssen. Oma hat mir erzählt, dass sie auch alles verdrängt.

Ich habe solche Angst vor den ganzen Schmerzen, die in mir drinnen sind. Wenn ich sie herauslasse, dann werden sie so sehr weh tun, dass ich wahrscheinlich ohnmächtig werde, weil ich das nicht ertragen kann.

Ich liege am Boden. Und meine Beine gehorchen mir nicht mehr und wissen nicht, wie sie aufstehen sollen.

Ich will mit diesem Eintrag niemandem Angst machen.. Ich will nur deutlich machen, wie es in mir aussieht. Und dass ich überhaupt da bin.

Ich bin nicht leicht unterzukriegen.. Ich will ja auch kämpfen. Aber ich weiß nicht wofür.

Hab dich lieb,

Sarah
11.6.08 23:15
 
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